EINIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

INTERVIEW MIT NACHTWAERTZ

ESSAY ZUM TANGO

ESSAY ZUR TRASH-FOTOGRAFIE




'Tango-The Rhythm and Movement of Buenos Aires'
earBOOK, Hamburg 2005 / 2.Auflage 2007

'Tango Mission', Stuttgarter Zeitung vom 10. Oktober 2009


'Salsa - Rhythm and Movement of the Caribbian'
earBOOK Salsa im edel-Verlag, 2 Fotos

'20 Jahre Tango Five',
Musikerportraits für CD und Buch, 2004/2005

'TangoDanza', Titelbild und Bildstrecke, Heft 2/2002

'Tango Five', Programmzeitung, Bühnenbild 2002

'Tango Filen', Bergen/Norwegen, Titelphoto Heft 1 / 2002

'Tango Metropole Berlin', Kastell Verlag, München 2001

'TangoDanza', diverse Aufnahmen, Heft 1/2002

'ECOS de Espagna y Latinoamérica',
Titelphoto, Bildstrecke 6/2001

'Stuttgarter Zeitung' 22.12.2000, Kapelle Hiss

'Stuttgarter Zeitung' 30.8.2000, Ausstellungskritik

'TangoDanza', Bielefeld, Titelphoto 1/2000


'Schlaglicht', Stadtmagazin Ludwigsburg, Bildstrecke, 1999

'Tango Obsession Passion',
FIU Verlag, Wangen 1997, Photo Pepito Avellaneda

'Boletin del Tango', Berlin 5/1995 & 10/1996

'LIFT', Stadtmagazin Stuttgart,  diverse Publikationen

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INTERVIEW IM MAGAZIN NACHTWAERTZ 2009

1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Durch den Vater, der die Familie, Reisen und Urlaub fotografierte.
Er gab mir die legendäre Agfabox mit dem Negativformat 6x9cm, später eine alte Robot mit mechanischem Filmtransport im Format 24x24mm. Die technische Seite an der analogen Fotografie fasziniert mich noch heute, wobei sie für die Aussage eines Bildes ohne Bedeutung ist.
Mein Weg führte über das Fotografieren beim Tango Argentino, bei Theaterproben, von Musikern und Konzerten zu Portraits, Körperportraits, erotischen Szenen und Experimenten, die unter anderem von der Lomographie beeinflusst wurden und von der Arbeit mit Polaroids.

2) Wo holst Du Dir Deine Inspirationen?
Fotos wollen gemacht werden. Ein Gesicht, ein Körper, eine Theaterprobe, eine Straßenszene, Musiker, Tango - die Ideen entstehen bei zufälligen Begegnungen, während der Arbeit, auf der Straße, im Kino, im Alltag. Wo sie nicht sofort verwirklicht werden können, gären sie im Kopf und zwar viele gleichzeitig. Irgendwann passiert es dann: die richtige Situation, der richtige Mensch und ich kann die Idee realisieren. Da ich keine Werbung, Beauty oder Produkte fotografiere, bin ich sehr frei, auch bei Aufträgen.

3) Möchtest Du etwas bestimmtes in Deinen Werken ausdrücken?
Ich mache Fotos ohne theoretischen Überbau und kann sie auch nicht erklären. Entweder Du verstehst sie oder Du verstehst sie nicht.
Sie sollten sich eine gewisse Unsichtbarkeit bewahren.
Wenn Fotos mit großem BlaBla überzogen werden, frage ich mich, was von dem Bild übrig bleibt ohne diese Erklärungen; das ist gut für´s Geschäft aber nicht mein Ding.
Die Wirkung meiner Bilder entspringt keiner bewußte Absicht - außer, dass sie authentisch sein sollen, z.B. auch beim fotografieren von erotischen Posen. Melancholisch sind sie von selbst.
Das Portrait ist wunderbar, weil es verschiedene Wesenszüge eines Menschen zeigen kann; zeigen, wie er aussieht, wenn er fotografiert wurde. Das Portrait ist grausam, weil es die Sterblichkeit drastisch vor Augen führt.

4) Welches Bild ist Dein Lieblingsbild und warum?

Schwer. Vielleicht haben meine Bilder einen eigenen Stil, aber thematisch bin ich nicht festgelegt, darum kann es nicht das eine Bild sein. Aus dem Genre Erotik gefällt mir die Aufnahme "Anais Nin" im Tunnel mit den Graffitis recht gut.

5) Was fasziniert Dich an Polaroid-Fotos?

Ihre unnachahmliche Weichheit, ein Charme, der sich kaum erklären lässt.
Es sind Sofortbilder und es sind Originale, Unikate! Positive Originale, es gibt kein Negativ, außer bei den fantastischen Polapan/Polachrome - Diapositiven, die werden aber seit Jahren nicht mehr produziert. Und Polas waren schon immer gut für Erotisches und Pornographisches, weil man nichts ins Labor bringen mußte. Ein Tipp für Fans: polanoid.net gibt jährlich das Magazin "TickL" mit Pornart heraus.

6) Du erwähnst „Lomographie“ - was ist das, was verbindet Dich damit?
Die Lomographie, also spontanes Aufnehmen des Alltags, ohne auf überkommene Regeln zu achten, ohne Bildregie - das war ca. 1995 ein Befreiungsschlag gegen die auf gängige Schönheit und Perfektion bedachte "anspruchsvolle" Amateurfotografie. Die Überraschung beim Abholen der Filme - das prickelt!

7) Wo kann man Dich bzw. Deine Bilder demnächst live erleben?
2009 wird es vermutlich keine Ausstellung in Deutschland geben. In Bergen/Norwegen startet im Frühsommer eine Ausstellung über das letzte Theaterprojekt "Dienstagwelt", eine Kooperation des Stuttgarter "TheaterAmFenster" mit dem Obdachlosentheater "Ratten07 aus Berlin. für 2010 plane ich eine Serie von manuellen Fotomontagen, die ich in der Galerie ZeroArts in Stuttgart zeigen möchte.

8) Wo kann man Deine Werke kaufen?
Bei mir. Auch das Tangobuch "The Rhythm and Movement of Buenos Aires", das bei edel in Hamburg erschien, 2007 in der 2. Auflage. Das gibt es natürlich auch im Buchhandel.

9) Wen würdest Du gerne einmal fotografieren?
Jane Birkin, Charlotte Rampling und Tom Waits

10) Was planst Du als nächstes?

Ein Buch mit den geheimnisvoll-erotischen Aufnahmen, aber das dauert noch.
Eine befreundete Autorin wird dazu Kurzgeschichten schreiben.
Das Thema Körpertext werde ich forcieren und die direkte manuelle Bearbeitung von 6x6 Negativen.
Außerdem möchte ich mich stärker mit der Problematik der Klischees auseinandersetzen, gerade im Bereich Erotik/Akt bedient man sehr schnell gängige Klischees, wenn man sich diese nicht bewußt macht.

11) Was macht Jim Zimmermann, wenn er nicht fotografiert?
Grübeln, welche Bilder gut und welche schlecht sind.
Lernen, wie man Videos und Super 8 - Filme schneidet.
Tango tanzen.
Rotwein trinken.
Geschirr spülen.

12) Eine Fee schenkt Dir drei Wünsche
Politisch würde es ausufern. Bleiben wir bei der Fotografie:
a) Ein Fotoatelier im 10. Arrondissement
in Paris am Canal St.Martin beim Hotel Du Nord
b) Kodak produziert die wichtigsten Filme bis 2050
c) Fuji setzt die Produktion der Polaroid-Filme fort.

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EINE ANMERKUNG
ZU DEN TANGOPHOTOGRAPHIEN


Die Aufnahmen sind der eigentlich unmögliche Versuch, das
Zwiegespräch der Paare, den Dialog der Musiker, der Tanzpaare
mit ihrem Publikum in dem Moment festzuhalten, da sie die
Show zu vergessen scheinen, die Zuschauer und die Scheinwerfer
und wir etwas von dem spüren, das uns selbst beim Tanzen berührt.
Vielleicht ist es eine Illusion, aber eine intensive - so wie
mancher Tango eine dreiminütige Illusion ist, die man nie mehr
vergisst.

Aufgenommen wurden die Photos meist bei Showeinlagen
während der Tanz- also Publikumsveranstaltungen, selten
auf der Bühne, in Stuttgart und anderen Städten in Deutschland,
der Schweiz, Frankreich, Italien.

Der Tango vom Rio de la Plata, an dessen Ufern Buenos Aires
und Montevideo liegen - verweigert sich Bewertungssystemen
und sportlichen Wettbewerbsbeurteilungen.
Seine Einmaligkeit und Genialität bezieht er aus der
Improvisationsfähigkeit der Tänzerinnen und Tänzer,
der Unbekümmertheit gegenüber Jugend und Akrobatik, Alter und
Melancholie, aus seiner schrankenlosen Toleranz gegenüber
brilliantem Können und Dilletantismus gleichermaßen.

Es ist den Photographien nicht mehr anzusehen, dass diesen
Tanz einsame, von Heimweh, Liebeskummer und Geldnot geplagte
Männer - "Arbeitsimmigranten" - in den Hafenvierteln geschaffen
haben, als sie vor 100 Jahren begannen, aus der Kultur
zahlloser Herkunftsländer eine mit Tanz und Geselligkeit
verbundene Musik zu entwickeln.

Heute bewegt die Tangokultur Menschen in der ganzen Welt auf
Tanzböden oder in Konzertsälen. Der Tango wird in Zukunft
weiter an internationaler kultureller Bedeutung gewinnen *
- und er wird sich verändern.
Aber die Faszination von zwei innig und kreativ
- zu anspruchsvoller Musik - miteinander tanzenden Menschen
wird aus meiner Sicht seine bedeutendste Errungenschaft bleiben.

Jim Zimmermann 2005

* Der Tango vom Rio de la Plata wurde 2009 von der Unesco
zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt

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EINE GLOSSE ZUR TRASH-FOTOGRAFIE,
VERFASST 1989 FÜR DAS
FREIE RADIO FÜR STUTTGART


Lomo, Holga, Diana, Big Mini und Action Sampler:
Wenn Sie jetzt denken, es beginne eine Sendung
Über neue Computerprogramme zu Optimierung der
linken oberen Ecke im  Bildbearbeitungssprogramm -
tja dann haben Sie sich geirrt. Genau das
Gegenteil ist der Fall.
Sie haben sich in die beliebte Sendereihe "Andreas
zeigt seine Urlaubsdias" im Freien Radio für
Stuttgart eingeschaltet, die Kulturredaktion ist
auf Sendung.

Was ist das Gegenteil von lebloser
Computerperfektion? Schnappschuss, Dilletantismus,
Lochkamera? Nun die Lochkamera ist schon wieder
etwas für Spezialisten und Tüftler.

Es geht um Trash, Müll, Schrott, um die Ästhetik
des Schlampigen, Ich möchte ein paar Überlegungen
anstellen, warum ausgerechnet im Zeitalter der
Hyperdigitalisierung der Fotografie und der
klinisch reinen Reklame von Saubermenschen, die uns
Unterhosen und Parfum verkaufen, warum sich
gerade hier ein wachsender Teil - nicht nur der
Jugend - einer ganz anderen Ästhetik zuwendet und
mit Billigstkameras, verwackelten Sujets und
kitschigen Farben den Alltag ablichtet und die
Banalität dieses Alltags garnicht banal sondern
aufregend findet, wenn sie erst mal fotografiert
worden ist.

Doch erfunden wurde diese Sichtweise nicht von den
Lomographen:
Bereits Jahrzehnte vor Lomo wurde die Unmittelbarkeit
des ungestalteten Schnappschusses zur Kunst
entwickelt. Mir fallen so unterschiedliche Menschen
ein wie der siebzigjährige amerikanische Fotograf
William Klein oder der in Stuttgart lebende Fotograf
und Fotolehrer Volker Schöbel und aus den 70er
Jahren die Herausgeber einer
subversiven Zeitung namens Volksfoto.

Alles um uns herum landet letztlich in einer
Fotografie.
Da das Fotografieren so belanglos und kinderleicht
geworden ist, nehmen wir die Allgegenwärtigkeit
der Bilder nicht mehr bewusst wahr. Noch weniger
machen wir uns Gedanken über die Wirkung der
Fotoästhetik auf unser Denken und Fühlen, auf
unseren Geschmack.
Susan Sontag meint in ihrem bekannten Buch über
Fotografie, dass das Sehen die Tendenz hat, sich
der Fotografie anzupassen. Das ist sehr einfach
damit zu begründen, dass die Fotografie intuitiv
immer noch für wahrhaftig, objektiv gehalten wird.

Die tausend Bilder, die wir täglich unbewusst
aufnehmen, beeinflussen also unsere Auffassung
von der Wirklichkeit, von der politisch-gesellschaftlichen,
von der kulturellen Wirklichkeit.

Als die Begründer des Lomo - Kults 1991 zum
erstenmal mit der kleinen sowjetischen Schwarzen
auf ihren Partys herumknipsten, ohne durch
den Sucher zu schauen, trafen sie den Zeitgeist im
Nerv und traten eine Lawine los. Inzwischen
gibt es zehntausende von Lomographen weltweit, die
von ihrer Umwelt Fotos machen, welche von
Dia-zeigenden Familienvätern sofort im Müll
gelandet wären.

Ganz offenbar - und ich spreche jetzt nicht von
der künstlerischen, sondern von der Gebrauchs -
und der Amateurfotografie - nutzt sich das "schöne
Bild", vor allem das widerspruchslose, elegante,
glatte, schnell ab. Es spiegelt uns eine Welt vor,
wie sie nicht ist. Wir wissen es "irgendwie",
geniessen vielleicht kurzfristig die
oberflächliche Schönheit, lassen uns aber doch
verführen zum Kauf von Ware und, zur Zufriedenheit
mit den Zuständen unserer gesellschaftlichen
Wirklichkeit.

Wenn es nach den Wünschen der Foto- und
Computerindustrie gehen soll und ihren Papagaien
in den Redaktionen derjenigen Fotozeitschriften,
die eigentlich Fotoapperatezeitschriften heißen
müssten, dann beschäftigt sich der kreative junge
Mensch heute damit, das Familienbild von Omas
letzten Geburtstag ein wenig zu bearbeiten. Ein
paar Falten an Omas Hals machen wir weg, damit die
neue Kette besser zur Geltung kommt, so jetzt
glänzt sie auch besser nach Gold. Mutti  - sie
beschwert sich regelmäßig am Diaabend, dass sie
wieder zugenommen hat - wird etwas gestreckt und
verschlankt. Onkel Friedrich, der Widerling, drängt
sich ins Bild und macht sich neben Oma wichtig -
mit ein paar Maßnahmen haben wir ihn durch Tante
Frieda ersetzt, das fällt überhaupt nicht auf.
Auch bei den Urlaubsdias, die hinterher
unweigerlich gezeigt werden müssen, verhelfen wir
Mutti zur Kleidergröße 38 und krampfaderfreien
Beinchen.
So war der Urlaub - fast wie bei der
Bacardi-Reklame. Und Omas Geburtstagsparty
entspricht jetzt schon viel mehr dem, wie wir sie
uns gewünscht hatten. Alles auf die CD gebrannt und
das Familienleben stimmt. Machen wir es mit dem
Rest unseres Daseins doch genauso.

Natürlich gab zu allen Zeiten die Verschönerung
und Glättung der Wirklichkeit in der Fotografie - im
Privaten wir in der Öffentlichkeit - aber die
nicht mehr erkenn- und nachvollziehbare,
Manipulation eröffnet neue Dimensionen.

In dieser Situation ist es nicht verwunderlich,
dass Leute genau das Gegenteil tun, sich mit völlig
veralteter Technik (wie bei der Lomo), mit
billigstem Plastikzeug, (wie bei der Holga und dem
Action-Sampler) bewaffnen, drauflosknipsen und das
unperfekt-brüchige schön finden, weil es lebt
und zur Benutzung der Phantasie anregt.

Es war zu erwarten dass Japan auf die
russich-österreichische Offensive antwortet und
mit einer eigenen Produktion zurückschlägt.

Sie heißt Konica Big Mini und wurde von einem
Teenager mit dem Künstlernamen Hiromix zum Kult
erhoben. Es könnte natürlich auch sein, dass Konica
das Mädchen zum Kult erhoben hat, um die
unelektronische und unjapanische
Vorherrschaft zu brechen. Auf jeden Fall möchte
das Girlie-Wunder Hiomi Toshigawa jetzt
Deutschland erobern. Das gerade in Deutschland auf
den Markt gekommene Buch ist ihr drittes. Die
Bilder benutzen die Schnappschuss-Ästhetik, aber
sind genau überlegt und haben eine gewisse
grafische Klarheit - gleichgültig, ob es Mamis
Küchenvorhang oder ein melancholisches
Großstadtpanorama ist.

Den Vogel in der Trash-Fotografie schießt jedoch
eine billige Plastikschachtel namens HOLGA ab, die
im Mittelformat (!) Bilder wie aus der
Lochkamera schießt - sofern sie trifft.





 

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